Die SNB und der Nullzins: die Schweiz zwischen tiefer Inflation und starkem Franken 2026
Die Schweizerische Nationalbank hält 2026 den Leitzins bei null Prozent, die Inflation bleibt sehr tief und der Franken stark. Ein nüchterner Blick auf die Schweizer Geldpolitik und Wirtschaft.
Als jemand, der die Finanzmärkte seit Jahren verfolgt, habe ich gelernt, dass die spannendsten Geschichten oft nicht bei den lautesten Kursbewegungen liegen, sondern bei den ruhigen, grundlegenden Entscheidungen. Die Schweizer Geldpolitik im Jahr 2026 ist genau so ein Fall. Zwischen sehr tiefer Inflation und einem starken Franken zeichnet sich ein Bild ab, das einen nüchternen Blick verdient.
Der Zins bleibt bei null
Die zentrale Tatsache ist rasch erzählt. Die Schweizerische Nationalbank hält ihren Leitzins bei null Prozent, sowohl bei der Lagebeurteilung im März als auch im Juni 2026. Trotz der niedrigen Teuerung signalisierte die Notenbank, dass die tiefe Inflation allein keinen weiteren Zinsschritt nach unten rechtfertigt. In einer Welt, die lange an steigende Zinsen gewöhnt war, ist der Nullzins erneut zur Realität geworden.
Eine ungewöhnlich tiefe Teuerung
Besonders auffällig ist die Preisentwicklung. In ihrer Prognose vom Juni 2026 rechnete die Nationalbank mit einer Inflation von nur 0,6 Prozent für 2026 und 2027 sowie 0,7 Prozent für 2028. Im Februar lag die Teuerung sogar bei lediglich 0,1 Prozent. Für viele Länder wäre eine so tiefe Inflation ungewöhnlich, doch für die Schweiz ist Preisstabilität seit jeher ein zentrales Merkmal ihrer Wirtschaft.
Der starke Franken
Ein wiederkehrendes Thema ist der starke Franken. Als sichere Anlagewährung neigt er in unsicheren Zeiten zur Aufwertung, was Exporte verteuern und die Inflation zusätzlich dämpfen kann. Die Nationalbank signalisierte deshalb eine grössere Bereitschaft, bei Bedarf am Devisenmarkt einzugreifen, um eine übermässige Aufwertung zu verhindern. Der Franken bleibt damit ein zentraler Hebel der Schweizer Geldpolitik.
Markt und Wirtschaft
Für die Anlegerinnen und Anleger ist all das relevant, denn der Leitindex SMI reagiert besonders empfindlich auf die Entscheide der Nationalbank. Gleichzeitig dürfte die Schweizer Wirtschaft 2026 um rund ein Prozent wachsen. Das ist kein spektakuläres Tempo, aber ein solides und stabiles, das zum Ruf des Landes als verlässlicher Wirtschaftsstandort passt. Stabilität ist hier oft mehr wert als schnelles Wachstum.
Mein nüchterner Blick
Trotz dieser soliden Lage versuche ich, realistisch zu bleiben. Tiefe Zinsen und eine geringe Inflation sind angenehm, bringen aber auch Herausforderungen mit sich, etwa für Sparer und Pensionskassen. Zahlen aus einem Halbjahr sagen zudem wenig über das ganze Jahr aus. Die eigentliche Bewährungsprobe wird sein, ob die Schweiz ihre Stabilität auch dann bewahrt, wenn das globale Umfeld unruhiger wird.





