Nullzins, kaum Inflation, starker Franken: die ungewöhnliche Ruhe der Schweizer Wirtschaft 2026
Die Nationalbank hält den Leitzins bei null, die Inflation liegt nahe der Nulllinie und der Franken bleibt stark. Ein ruhiger Blick auf ein für die Schweiz typisch untypisches Wirtschaftsjahr.
Wer wie ich die Finanzmärkte täglich verfolgt, sehnt sich manchmal nach etwas Langeweile. Die Schweizer Wirtschaft liefert sie 2026 in fast schon lehrbuchhafter Manier. Während anderswo über Zinssprünge und hohe Teuerung diskutiert wird, herrscht bei uns eine ungewöhnliche Ruhe. Doch hinter dieser Gelassenheit steckt mehr Spannung, als der erste Blick vermuten lässt.
Der Leitzins bleibt bei null
Das deutlichste Signal kommt von der Schweizerischen Nationalbank. Sie belässt den Leitzins bei null Prozent, und die meisten Ökonomen erwarten, dass er das ganze Jahr 2026 dort verharrt. Mit ersten Zinserhöhungen wird frühestens Anfang 2027 gerechnet. In einer Welt, die sich an steigende Zinsen gewöhnt hat, wirkt dieser Nullzins fast wie ein Relikt aus einer anderen Zeit.
Inflation nahe der Nulllinie
Möglich macht diese Haltung die aussergewöhnlich tiefe Teuerung. Die Nationalbank rechnet für 2026 mit einer durchschnittlichen Inflation von lediglich 0,3 Prozent, deutlich unter ihrem eigenen Ziel für Preisstabilität. Was für andere Länder ein Traum wäre, ist für die Schweiz beinahe Normalität. Gleichzeitig erinnert es daran, dass eine zu tiefe Inflation eigene Fragen aufwirft.
Der Franken unter Aufwertungsdruck
Am meisten beschäftigt mich derzeit der Franken. Der Aufwertungsdruck auf unsere Währung könnte wieder zunehmen, und die Nationalbank hat signalisiert, dass sie zu stärkeren Eingriffen am Devisenmarkt bereit ist, um eine übermässige Aufwertung zu verhindern. Ein starker Franken ist Segen und Fluch zugleich: Er dämpft importierte Preise, macht aber unsere Exporte teurer.
Wachstum mit angezogener Handbremse
Beim Wachstum gibt sich die Nationalbank realistisch. Für 2026 erwartet sie eine Zunahme von rund einem Prozent. Die moderatere Entwicklung der Weltwirtschaft dürfte die Schweiz in den kommenden Quartalen bremsen, und global bleiben die Preise für Rohstoffe erhöht. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Hinweis darauf, dass unsere kleine, offene Wirtschaft nie ganz für sich allein steht.
Was ich daraus mitnehme
Für mich zeigt dieses Jahr, wie wertvoll Stabilität in unsicheren Zeiten ist, und wie viel Arbeit dahintersteckt, sie zu bewahren. Nullzins, tiefe Inflation und ein starker Franken sind kein Zufall, sondern das Ergebnis vorsichtiger Politik. Ich beobachte vor allem den Devisenmarkt genau, denn dort wird sich zeigen, ob die Schweizer Ruhe auch in einem unruhigen globalen Umfeld Bestand hat.





