SNB dürfte den Leitzins bei null Prozent belassen: Das steckt hinter dem Zinsentscheid
Vor der geldpolitischen Lagebeurteilung vom 25. September rechnen Ökonomen damit, dass die Schweizerische Nationalbank den Leitzins bei null Prozent belässt. Wir erklären die Hintergründe rund um Franken, Inflation und Wachstum.
In der Schweizer Finanzwelt richten sich die Blicke einmal mehr auf Zürich, wo die Schweizerische Nationalbank ihre nächste geldpolitische Lagebeurteilung vorbereitet. Der Entscheid vom 25. September gilt als eines der wichtigsten wirtschaftlichen Ereignisse des Herbstes und wird von Anlegern, Unternehmen und Sparern gleichermassen aufmerksam verfolgt.
Die grosse Frage lautet dabei nicht, ob es zu einer Überraschung kommt, sondern wie die Notenbank ihre Haltung begründet. Denn die meisten Fachleute sind sich einig, dass die SNB an ihrem aktuellen Kurs festhalten wird. Wir haben die wichtigsten Erwartungen und Hintergründe zusammengetragen und ordnen sie ein.
Der Leitzins bleibt voraussichtlich bei null
Nach Einschätzung der Ökonomen wird die Nationalbank den Leitzins auch am 25. September unverändert bei null Prozent belassen. Damit würde die SNB ihre bereits mehrfach fortgesetzte Zinspause verlängern und ihren vorsichtigen, abwartenden Kurs in einem weiterhin unsicheren globalen Umfeld konsequent beibehalten.
Der Blick über den Herbst hinaus zeigt ein ähnliches Bild und untermauert diese Erwartung deutlich. Eine grosse Mehrheit von 21 der 25 befragten Ökonomen geht davon aus, dass der Leitzins auch Ende 2026 noch immer bei null Prozent stehen wird. Ein rasches Ende der Nullzinsphase ist somit vorerst nicht in Sicht.
Der starke Franken als Dauerthema

Ein zentrales Thema jeder geldpolitischen Diskussion in der Schweiz ist der starke Franken. Als sogenannter sicherer Hafen wird die Landeswährung in Krisenzeiten von Anlegern aus aller Welt gesucht, was ihren Wert immer wieder in die Höhe treibt und die Wettbewerbsfähigkeit der exportorientierten Wirtschaft belastet.
Diese Stärke hat allerdings auch eine positive Kehrseite, die für die Notenbank nicht unwichtig ist. Ein kräftiger Franken verbilligt nämlich importierte Güter und dämpft dadurch die eingeführte Inflation. Die SNB hat zudem wiederholt betont, dass sie bei Bedarf am Devisenmarkt eingreifen wird, um eine übermässige Aufwertung zu begrenzen.
Die Inflation bleibt tief
Der wohl wichtigste Grund für die anhaltende Zurückhaltung der Nationalbank ist die aussergewöhnlich tiefe Teuerung. Gemäss den Prognosen der SNB dürfte die durchschnittliche Inflation bei rund 0,2 Prozent im Jahr 2025, etwa 0,3 Prozent im Jahr 2026 und ungefähr 0,6 Prozent im Jahr 2027 liegen.
Diese Werte liegen komfortabel innerhalb des von der Nationalbank definierten Zielbands von null bis zwei Prozent, das sie mit Preisstabilität gleichsetzt. Solange die Teuerung derart gering bleibt, besteht für die Währungshüter schlicht kein Druck, die Zinsen anzuheben und die konjunkturelle Entwicklung damit zusätzlich zu bremsen.
Gedämpftes Wirtschaftswachstum
Auch die Aussichten für die Konjunktur sprechen für eine ruhige Hand. Die Nationalbank rechnet für das laufende Jahr 2026 mit einem Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent, das sich im Jahr 2027 auf etwa 1,5 Prozent beschleunigen dürfte. Von einem kräftigen Aufschwung ist die Schweiz damit weiterhin ein Stück weit entfernt.
Ein solches moderates Wachstum gibt der SNB zusätzlichen Spielraum, ihre expansive Ausrichtung beizubehalten. Tiefe Zinsen sollen helfen, Investitionen und Konsum zu stützen, ohne dabei die Preisstabilität zu gefährden. Für die Notenbank ist dies ein Balanceakt, den sie seit geraumer Zeit mit spürbarer Vorsicht bewältigt.
Was das für Sparer und Anleger bedeutet
Für die privaten Haushalte hat die anhaltende Nullzinsphase ganz konkrete Folgen im Alltag. Wer sein Geld klassisch auf dem Sparkonto parkiert, erhält dafür kaum eine nennenswerte Verzinsung und verliert durch die Teuerung real sogar leicht an Kaufkraft, auch wenn diese aktuell erfreulich niedrig ausfällt.
Auf der anderen Seite profitieren jene, die Kredite aufnehmen oder eine Immobilie finanzieren wollen, von den günstigen Bedingungen. Gleichzeitig treibt die Suche nach Rendite viele Anleger in Aktien, Immobilien und andere Anlageklassen, was die Bewertungen an den Märkten weiter stützen und mancherorts erhöhen kann.
Ausblick
Insgesamt deutet vieles darauf hin, dass die Schweiz vorerst in der Welt der tiefen Zinsen verharrt. Solange der Franken stark bleibt und die Inflation tief ist, dürfte die Nationalbank ihren bewährten Kurs fortsetzen. Für Sparer und Anleger bleibt es daher wichtig, ihre Strategie ruhig, aber vorausschauend an dieses Umfeld anzupassen.





